Antarktis

Der Südpol und der Nordpol gehören zu den außergewöhnlichsten Reisezielen unserer Erde. Als ich auf der ITB in Berlin Michael Poliza traf und er mir einige seiner Bilder aus 3 Jahren Arktis und Antarktis Fotografie für sein neues Buch zeigte, war ich vor Begeisterung sprachlos. Die Bilder entführen in eine Welt voller Naturwunder und unversehrter Landschaften. Michael Poliza ist ein absoluter Meister darin, die Paradiese unserer Erde in ihren schönsten Momenten einzufangen.

Wie entstand die Idee Ihres ANTARCTIC Buches?
MICHAEL POLIZA: In Zeiten der globalen Erwärmung sind diese beiden großen weißen Flecken auf unserer Weltkarte bestimmt diejenigen, die darunter am meisten leiden. Es gibt unendlich viele schlechte Nachrichten, welche die Menschen zum Nachdenken und Helfen anregen sollen – es aber leider meist nicht schaffen, da der Mensch sich oft nur verantwortlich fühlt für das, was ihm emotional nahesteht. Ich möchte mit meinen Fotos – ohne den Finger zu heben – positiv berühren um eben diese Verantwortung im Menschen zu wecken. Deshalb sind in meinem Buch auch nur die schönen Seiten der Natur mit ihren einzigartigen Mo- menten an den Polen unserer Erde zu sehen. Mir ist wichtig, dass die Menschen verstehen: Es ist noch nicht zu spät etwas zu ändern, da die Natur noch so umwer- fend schön und vielerorts unberührt ist. Und wenn ich mit meinen Fotos einen kleinen Beitrag dazu leiste, bin ich schon sehr zufrieden.

Antarktis, Südgeorgien, Falklandinseln und die Arktis – wie haben Sie diese unnahbaren Hideaways bereist?
MICHAEL POLIZA: Um die nötigen 182 Fotos für mein Buch zu bekommen waren natürlich mehrere Reisen zu verschiedenen Zielen an den Polen notwendig. Insgesamt war ich in den Jahren 2004 – 2008 in der Arktis und der Antarktis jeweils 4 Mal mit meiner Kamera vor Ort. In dieser Zeit habe ich fast 60.000 Fotos gemacht. Die Antarktis erscheint einem als Europäer nahezu unerreichbar, aber an Bord eines mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe ausgestatteten Kreuzfahrtschiffes kommt man sehr dicht an die „Action im Eis“ heran. Die Routen der MS BREMEN rund um die Antarktis starten hauptsächlich in Ushuaia am Kap Hoorn und führen über die Falklandinseln und Südgeorgien zur Antarktis. Vom Kreuzfahrtschiff aus konnte ich mit einem ZODIAC Schlauchboot mehrmals täglich an Land gehen oder die umliegenden Gewässer erkunden. Während dieser Landgänge muss die oberste Regel in der Antarktis strengstens beachtet werden: Do not leave anything but footprints, and do not take anything but memories and pictures. Dafür gibt es an Bord der MS Bremen eine speziell entwickelte Stiefelreinigungsmaschine, mit der verhindert werden soll, dass Keime und Bakterien von Insel zu Insel geschleppt werden. Diese muss jeder passieren, der an Land gehen will.

Meine Aufenthalte in der Antarktis waren dank der tollen Crew der MS Bremen sehr unkompliziert und gut organisiert. Das war in der Arktis oft viel schwieriger, da meine Zielgebiete nicht unbedingt auf dem Routenplan von Kreuzfahrtschiffen und Expeditionsveranstaltern liegen. Mein Ausgangspunkt in der Arktis war meistens Churchill – die Polarbären-Hauptstadt – die direkt an der Hudson Bay liegt und nur über drei Wege erreichbar ist: Mit dem Schiff ist es nur für einige wenige Wochen im Jahr möglich, wenn die Hudson Bay eisfrei ist. Mit der Eisenbahn, die alle 3-4 Tage von Winnipeg aus fährt, braucht man fast 72 Stunden. Mit den kleinen Fliegern der CALMAIR geht es noch am schnellsten. In knapp 3 Stunden, ebenfalls von Winnipeg aus. In Churchill selbst führen alle Straßen nach einigen Kilometern ins Nichts. Dieses kleine aber sympathische Nest war für mich der Ausgangspunkt für meine Expeditionen zu den Eisbären, Karibus, Walrossen, Polarfüchsen und vielen anderen Tieren der Arktis. Oft ging das nur nach langen Verhandlungen mit den einheimischen Inuiten, denn Fotografen sind hier nicht unbedingt beliebt, weil die Inuiten leider immer noch Wale, Eisbären und Walrosse jagen. Und ein toter Eisbär ist kein gutes Aushängeschild.

Eisbären in lila Blumenfeldern – wie trifft man auf dieses Rätsel?
MICHAEL POLIZA: Die Eisbären sind fast das ganze Jahr über in der Nähe von Churchill zu sehen – zwar im Winter nicht in den lila Blumenfeldern, sondern dort, wo sie mit ihrer Umgebung verschmelzen, dem weißen Meer aus Eis und Schnee. Nur kurz in einer Sommerwoche blüht das Fireweed und da das Eis in der Hudson Bay inzwischen geschmolzen ist, kommen die Eisbären gerade zu diesem Zeitpunkt – oft nach langen Schwimmstrecken von 100 km und mehr – ans Festland. Diesen Moment gilt es abzupassen und ebenfalls zu wissen wo dieses lila Kraut am schönsten blüht. Also bauten wir im August 2008 direkt an den Fireweed Feldern ein Camp bestehend aus zwei Schlafzelten und einem Ausrüstungszelt auf, umringt von einem 2,5 Meter hohen Zaun und einem zusätzlichen Elektrozaun, denn die Eisbären sind sehr ernstzunehmende, schlaue und innovative Raubtiere. Und eines Morgens als ich aus dem Zelt kroch – da war er in seiner vollen Pracht: Der Eisbär mitten im Fireweed im perfekten morgendlich gedimmten Licht!

Welche Highlights bietet die Arktis neben den Königen des Eises?
MICHAEL POLIZA: Ein weiteres ganz besonderes Erlebnis in den Sommermonaten sind die tausenden von Beluga-Walen (Weißwale) die in den Flussmündungen ihre Jungen zur Welt bringen. Zum einen kann man sie sehr gut per Helikopter oder Kleinflugzeug aus der Luft beobachten, zum anderen aber kommt man diesen wunderbaren Geschöpfen mit dem Schlauchboot sehr nah. Und wer mutig ist, kann sogar mit ihnen im Meer schnorcheln. Geschützt in einem Trockenanzug wird man von einem Schlauchboot an den Füßen durch das Wasser gezogen. Da die friedlichen Beluga-Wale sehr neugierig sind, kommen sie gleich näher um sich das genauer anzusehen. Da kommen die Belugas manchmal schon bis auf einen halben Meter heran.

Die Walrosse an der Arktis zu sehen ist ein Traum vieler Besucher aber eine logistische Herausforderung. Hier wäre ich ohne die Hilfe meines kanadischen Freundes Mike Reimer nicht weiter gekommen. Er hat in Coral Harbour im Norden der Hudson Bay ein Boot organisiert mit dem wir nach 10 Stunden Fahrt über offenes Meer nah genug zum Fotografieren an die tonnenschweren Robben heran gekommen sind.

Beschreiben Sie uns aus Ihrer Sicht das Leben an den beiden Polen unserer Erde.
MICHAEL POLIZA: Es war und ist für mich ein großes Privileg in diese Teile unserer Erde einen so hautnahen Einblick in die noch intakte Natur zu bekommen. Die beiden Pole reizen mich sehr aufgrund ihrer unterschiedlichen Tierwelt. Während man in der Antarktis überwiegend Robben, Pinguin-Kolonien, Wale zu sehen bekommt und sich dort aufgrund der nicht vorhandenen Landraubtiere frei bewegen kann, muss man in der Arktis schon sehr viel aufmerksamer sein. Hier teilen sich die Könige des Eises, die Eisbären, Karibus, Walrosse, Polarfüchse, Mastochsen und viele andere Tierarten den Lebensraum.

Insbesondere in der Antarktis musste ich mich erstmal an den – im Vergleich zu Afrika allemal – schon sehr eingeschränkten Farbraum gewöhnen. Da gibt es in erster Linie Grau- und Schwarztöne durch das Gestein, Weiß durch den Schnee und das Eis und sämtliche Nuancen von Blau, die durch das Meer entstehen. Dazu kommen kleine Pinguin Farbtupfer von Rot und Gelb und selten auch etwas Grün dazu. Und morgens und abends kommen dann noch oft spektakuläre Sonnenfarben dazu.

Herr Poliza – Sie als Afrika-Fan – was hat Sie am meisten an der Natur der beiden Pole dieser Erde beeindruckt?

MICHAEL POLIZA: Die Fragilität und diese geniale und phänomenale Anpassung der Pflanzen- und Tierwelt an die so unwirtlich scheinenden Lebensbedingungen an diesen extremen Winkeln der Erde. Und die Vielfalt, ja, fast Explosion von Leben bei Temperaturen, die bei uns nur in Gefriertruhen herrschen und diese wunderbar funktionierenden Ökosys- teme, in denen Millionen Tiere mit den Jahreszeiten und natürlichen Bedingungen interagieren. Die Feinsinnigkeit im Miteinander hat mich tief beeindruckt und mir die Zerbrechlichkeit und die Dringlichkeit unserer Verantwortung so klar gemacht. Nicht ohne Grund trägt mein Buch den Untertitel „A tribute to life in the polar regions“.

Michael Poliza

... hatte auch vor dem Beginn seiner Karriere als Fotograf ein abwechslungsreiches und abenteuerliches Leben. Er war Schauspieler, IT-Unternehmer und hat sich in einer Reihe äußerst unterschiedlicher Bereiche ausgezeichnet. Als Jugendlicher war er ein bekannter deutscher Kinderdarsteller, der in weit über 100 Fernsehshows, Serien und Filmen gespielt hat. Während seiner Zeit in den USA als Student, verschoben sich Michaels Interessen jedoch auf die IT-Welt und so gründete er seine eigene Firma. Zu Zeiten in denen er sich ein Zimmer mit Bill Gates teilte und sie ihre Ideen zur Softwareentwicklung austauschten, gründetet und etablierte er eine Reihe äußerst erfolgreiher Firmen in Deutschland und den USA. Mit 30 Jahren stellte Michael sich die Frage, ob er, nach dieser Erfolgsbilanz, weiteren Erfolgen in der IT Branche hinterherlaufen oder auf sein Herz hören sollte. Sein Herz will bis heute Naturschätze, die Schönheti von Flora und Fauna und die Unberührtheit der schönsten Flecken dieser Erde entdecken. Also verkaufte er 1997 seine Firmen und erfüllt sich seinen Traum einer Reise um die Welt - seine Starship Millenium Voyage. Diese dreijährige Schiffsreise rund um den Globus wurde täglich mit Berichten und Webereportagen über das Internet übertragen und von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt mitverfolgt. Michaels Ziel war schon damals, den Menschen die Schönheit unserer Erde vor Augen zu führen und ihnen durch emotionale Bilder einen Anstoß für umweltbewusstes Handeln zu geben. Auf seiner Reise um die Welt ist Michael am Kap der Guten Hoffnung hängen geblieben und blieb bis 2008 in Afrika.

Dank der Freundschaft mit einem der Gründer von Wilderness Safaris hat sich Michael sehr oft in den schönsten Lodges und Camps in Botswana, Sambia, Südafrika, Kenia, Tansania und Simbabwe aufgehalten um dort seine Liebe zur Fotografie wieder zu entdecken und dabei seinen so eigenen Blick für die Tierwelt zu entwickeln. Nachdem seine Afrikabücher erschienen waren und die Welt sich an den Werken begeisterte, arbeitete er schon an seinem ANTARCTIC Buch welches ab August 2009 in Deutschland für 98 € im Buchhandel erhältlich und wie bereits Africa, The Essential Africa und Eyes over Africa im teNeues Verlag erschienen ist.

Dieses Buch ist wieder ein Muss für alle Fotobegeisterten und Naturliebhaber und darf in keinem Bücherregal fehlen!

www.michaelpoliza.de. oder www.teneues.com

Buch ANTARCTIC / A tribute to life in the Polar Regions by Michael Poliza / teNeues Verlag

 

In der Weite des ewigen Eises ist eine einzigartige Tierwelt zu Hause: Ob Pinguine oder Robben, Albatrosse oder See-Elefanten – das Leben in der Antarktis zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Und Sie sitzen nicht nur auf Südgeorgien in der ersten Reihe. Sind Sie auf ein grenzüberschreitendes Abenteuer eingestellt? Dann wird bei dieser Antarktis-Expedition Ihr Entdeckerherz höher schlagen. Denn nach spektakulären Erlebnissen zwischen Pinguinen und Seevögeln nehmen Sie Kurs auf den magischen Südpolarkreis. Ist er überquert, stoßen Sie bei gutem Wetter sogar noch tiefer ins ewige Eis vor – dorthin, wo hinter jedem neuen Gletscher der nächste atemberaubende Moment auf Sie wartet.

Expeditionskreuzfahrten mit der MS Hanseatic

Buchung & Information

www.hl-kreuzfahrten.de/expedition/