Kenia

Mother Africa

Mein Herz schlägt für Afrika ! Auf diesem Kontinent habe ich fast alles besucht, was mir besuchenswert erschien, manche Orte mehrmals. Eines der afrikanischen Länder, das vor vielen Jahren bereits als Vorreiter in Sachen Afrika-Tourismus galt – Kenia – hatte ich dennoch nie auf meiner Wunschliste, da es in der Vergangenheit zu sehr mit Massentourismus in Verbindung gebracht wurde. Aber es gibt eben diese Momente im Leben, die einem den „rechten Weg“ zeigen. Ein solcher Moment trug sich letzten März auf der ITB in Berlin zu. Unter die vielen Meetings und Gespräche mischte sich eines mit Stefano Cheli von Cheli & Peacock.
Das Meeting mit Stefano, der seit mehr als 20 Jahren Pionier für Safaris in Kenia ist, hob sich wohltuend von den üblichen Messegesprächen ab. Die tiefen Emotionen und weitreichenden Visionen, die in Stefanos Geschichten über sein Land zum Ausdruck kamen, haben mich sofort eingenommen und mein Interesse geweckt. Aus einem Meeting wurde eine lebhafte, spannende Unterhaltung, die den üblichen Zeitrahmen deutlich sprengte und mit einem spontanen Plan endete: Ich werde nun endlich die Wahrheit über Kenia herausfinden. Stefano, wir sehen uns Ende Juni in MOTHER AFRICA!

Keine drei Monate später steige ich in Nairobi aus dem Flugzeug, wie immer mit 50kg Kameragepäck, für knappe drei Wochen Kenia-Erkundung. Bis dato hatte ich zu dieser Reise nichts beigetragen, als eben diese 50kg zu packen. Die gesamte Route und deren Planung hatte ich voller Vertrauen in die Hände von Stefano Cheli gelegt. Als ich nun in den dunkelgrünen Transporter von C&P steige, steigt auch langsam die Spannung, besonders da ich keine Ahnung habe, was mich erwartet. Der erste Balsam für unsere deutsche, vom Regen geschundene Seele, sind die zu die- ser Jahreszeit in Stein gemeißelten 26 Grad und der blaue Himmel mit ein paar sanften Wolken. Unter Einfluss dieser Schönwetterlaune begießen wir den ersten Abend in Nairobi, bevor am nächsten Morgen das Abenteuer beginnt.

Pünktlich steht der grüne C&P-Bus vor der Tür und bringt uns zum gemütlich kleinen Flughafen Wilson International, von wo aus alle Inlandflüge Kenias starten. Verständlicherweise wird bei den kleinen Maschinen penibel auf alles Zusatzgewicht geachtet, weshalb die 50kg Kameragepäck (natürlich angemeldet) Tagesgespräch beim Bodenpersonal sind. Eine Cessna Caravan startet kurze Zeit später zum ersten Camp: Elsa’s Kopje im Meru Nationalpark im Norden Kenias.

ELSA’S KOPJE –Safari in red

Was für unwissende deutsche Ohren nach einem holländischen Fischkutter klingt ist tatsächlich eine Safari Lodge. Mitten in dem riesigen Park sitzt das Camp auf dem Mughwango Hill (die tatsächliche Bedeutung von afrikaans „Kopje“ ist ‚kleiner Hügel‘). Die acht Lodges wurden rings um die Hügelspitze angeordnet und jede einzelne bietet einen fantastischen Blick in die Weite des Meru National Parks.

Alle Lodges wurden dabei individuell gestaltet und von Stefano Cheli selbst entworfen, der sie um, in oder auf die roten Felsen modellierte. Das Camp wurde nach der berühmten Löwin Elsa benannt, die einst Gefährtin von George und Joy Adamson war und mit beiden viele Jahre durch den Busch streifte. Adamsons Autobiographie „My Pride and Joy“ erlangte vor allem durch die spätere Verfilmung Born Free Berühmtheit. Es ist nicht schwer, sich gleich „auf“ Elsa’s Kopje wohlzufühlen. „On top of the hill“ thront die Hauptlodge mit bunten Sitzkissen und einer wundervollen Poolanlage – wie soll es anders sein – in riesige Felsen gebettet. Ob vom Pool oder von einer der Lodge Terrassen aus verliert sich das Auge sofort wieder über der endlos weiten Ebene des Meru Parks mit seinem tiefroten Sand, der in seiner Farbe an die Sossusvlei Wüste in Namibia erinnert.

Weit und breit ist hier keine andere Lodge zu finden und nur ganz selten taucht am Horizont die Staubwolke eines Jeeps auf. Als Stefano Cheli Elsa’s Kopje gebaut hat, wurde er für verrückt erklärt. Man glaubte, hier im nördlichen Gebiet bestünde keine Chance für ein Übereinkommen mit den Massai zur Einhaltung der Parkgrenzen und somit für die Rückkehr und Ansiedlung von Tieren. Doch Stefano Cheli hatte die Lage richtig eingeschätzt: Heute leben hier Unmengen wilder Tiere, ein Projekt für weiße und schwarze Nashörner wird derzeit sogar wegen der starken Population erweitert.

Als Folge genießt man hier jetzt exklusive Safari. Und der Genuss wird immer wieder gekrönt durch diesen einmaligen tief, tief roten Sand. Während Elefanten hier keine Seltenheit sind, gilt dies nicht für ihre Hautfarbe, wirken sie doch durch den Sand als seien sie mit Rouge geschminkt. Warzenschweine rennen wie „Rothäute“ durch das Gestrüpp, Zebras scheinen hier eher die Farben der großen Koalition zu tragen, als klassisches Schwarz-Weiß und Löwen sehen auf der rot glühenden Erde noch mächtiger und gefährlicher aus. So wird es in dieser glühenden Landschaft nie- mals langweilig und es entstehen einmalige Fotomotive auf einer „Safari in red“.

LEWA SAFARI CAMP – William II

Ich bin sicherlich kein Fan der Klatschgeschichten europäischer Königshäuser, aber auch mir ist nicht entgangen, dass Prince William seiner Kate in Lewa einen Heiratsantrag gemacht hat. Es ist schon erstaunlich, dass dies für weltweites Interesse an Kenia gesorgt hat. Schließlich ist man als Paar auf Safari meistens bereits verheiratet, vielleicht gerade auf Flitterwochen. Aber wer nach Lewa reist, um zu erfahren, warum gerade dort William seiner Kate einen Antrag gemacht hat, wird keinesfalls enttäuscht werden und findet hier weit mehr als ein romantisches Plätzchen. Lewa ist alleine deshalb einmalig, da es eine private Naturschutzregion mit über 650 ha des Lewa Wilderness Trust ist und somit seine eigenen Regeln hat. Keine Minibusse, nur eine begrenzte Anzahl an Camps und strenge Regeln für das Verhalten auf Safari. Besonderer Schutz gilt hier den schwarzen Nashörnern. Zehn Prozent der Nashornpopulation Kenias leben alleine hier, wie auch die größte einzeln lebende Population des Grevyzebras.

Lewa ist etwa drei Stunden Autofahrt von Meru entfernt. Eine erlebnisreiche Fahrt nach Nordwesten, durch bunte Dörfer und über eine grüne Bergkette, die wertvolle Einblicke in das Leben Kenias auch außerhalb der Parks gibt. Es müssen nicht immer Flugtransfers sein, die zwar schöne Luftaufnahmen generieren, aber eben vom echten Leben auf und entlang der Straße wortwörtlich entrückt sind. In Lewa angekommen zeigt sich dem Besucher eine durchweg neue Facette kenianischer Landschaft, geprägt von unzähligen großen, mit Grasflächen überzogenen Hügeln, die in der Trockenzeit in markanten dunklen Brauntönen durch die unter dem trockenen Gras hervorschimmernde Erde leuchten. Dazwischen liegen, wie Oasen in der Wüste, grüne paradiesische Flecken entlang der Flüsse und Sümpfe, in denen die Artenvielfalt der kenianischen Tierwelt zu bestaunen ist.

Wir machen uns also schon gleich nach der Ankunft voller Freude auf den ersten Gamedrive. Wie es der Zufall will, heißt unser Guide William! Von vornehmer Zurückhaltung scheint er jedoch nichts zu halten, denn er bringt uns gleich mitten ins Geschehen. Die erste Abendausfahrt ist spektakulär, mit jungen Löwen, gleich zwei Leoparden, Nashörnern und Geparden. Da kann der Abend im Lewa Zeltcamp nur noch feierlich zu Ende gehen. Den nun folgenden göttlichen Tiefschlaf im exklusiven Zelt inmitten des Parks kann nicht einmal ein nächtlicher Campbesucher stören – ein unerschrockener Elefant hatte die Nachtwächter offensichtlich länger auf Trab gehalten.

Die sind zwar gut auf Touristen vorbereitet, dennoch wirken die für mitteleuropäische Verhältnisse extrem ärmlichen Lebensbedingungen auf uns leicht bedrückend. Die Abwesenheit jeglichen Komforts, das händische Verputzen der Hütten mit einer Mischung aus Lehm und Kuhdung oder die bloße Entfernung bis zur nächsten Trinkwasserquelle lassen unvermittelt das Gefühl entstehen, der Fortschritt der letzten 100 Jahre habe einen Bogen um diese Gegend gemacht. Obwohl wir wissen, dass die Massai sich bewusst für dieses Leben fern der Zivilisation entscheiden, fühlen wir uns doch besser, als wir erfahren, dass ein beträchtlicher Anteil des Gewinns aus dem Tourismus hier in Lewa (auch vom Lewa Safari Camp selbst) in die Bedürfnisse und Kultur der Menschen um Lewa fließen. Auch sonst lernen wir sehr viel von William – über Tier, Natur und auch Menschen – und seine Art, sein Humor und die unverstellte Passion, mit der William seinen Job lebt, sind eine wahre Freude für uns und fast schon Entertainment pur. Es gibt keinen Tag, an dem er beim „Leoparden-Tracking“ aufgibt, nicht das Letzte auch aus diesem Safari-Tag herausholt. Und wenn man fest glaubt, mehr geht nun wirklich nicht, zaubert William wieder ein Highlight aus seiner Massai-„Wundertüte“. Darunter ein abendlicher Walk zu den Nashörnern!

Was man als Scherz aufnehmen könnte wird wahr: Wir nähern uns bis auf vielleicht 50 Meter den vom Boden aus doppelt so groß wirkenden Dickhäutern. Als zwei schon im leichten Trab auf uns zu kommen, höre ich von unserem begleitenden Parkguide ein „Schschsch..“. Keine Re- aktion auf der anderen Seite. Wieder ein „Schschsch...“, etwas lauter, aber gleiches Ergebnis. Beim dritten Versuch machen die Gegner dann doch kehrt und traben locker davon. William lacht nur und meint die würden einfach nicht gut sehen und haben uns woanders vermutet. Das beruhigt zwar gewaltig, senkt aber kaum den Adrenalinspiegel. Obwohl ich mich für einen erfahrenen „Bushwalker“ halte, fühle ich mich dieses Mal nicht wie ein Pflanzenkundler – ich fühle reinstes Safari-Fieber. Verlobt habe ich mich nicht mit William II, doch müsste ich einen Safari-Guide fürs Leben wählen ... dann König William. Danke William und Take Care!

SARUNI SAMBURU – On Top of the World

Für unsere nächste Strecke nehmen wir wieder den Jeep und fahren zwei Stunden ostwärts ins Samburu & Shaba National Reserve. Sieben Kilometer nördlich des Parks liegt einsam die Saruni Samburu Lodge auf einem Felsmassiv. Alleine die Auffahrt zum Camp erinnert an ein Indiana Jones Abenteuer: Auf blankem Felsen schraubt sich der Jeep weit hinauf zur Lodge. Hier bleibt einem erst mal die Luft weg, so wundervoll ist die Aussicht von hier oben. Das Design der Villen ist, mit einem Wort, umwerfend! Schlafraum, Wohnraum, Bad (alle nicht gerade klein) sind zur Aussichtsseite vollkommen offen und gehen geradezu verschwenderisch mit spektakulären Ausblicken aus allen Ecken der Lodge um. Sobald man sich auf einem der Sofas, Sessel oder Sitzkissen niederlässt, überkommt einen unweigerlich der Gedanke: „Wozu Safari? Ich bleibe hier.“

Aber ich bringe es doch nicht übers Herz, die beiden netten Samburu Guides vergebens warten zu lassen. Die Fahrt zum Samburu National Park dauert ein wenig, führt aber durch wundervolle Landschaft und ich nutze die Zeit, unserem neuen Guide von den vielen gesichteten Leoparden in Lewa zu erzählen, was ihn und seinen Partner offensichtlich bei der Ehre packt. Wir steuern also direkt in das am Flussufer mit riesigen Bäumen gespickte Gestrüpp: Leopardengebiet! Stunden lesen unsere Samburus Spuren, lauschen Alarmgeräuschen von Vögeln und Pavianen, beraten sich immer wieder und geben einfach nicht auf. Die Mühe wird belohnt, da wir nicht nur einen Leoparden sehen, wir sehen ihn förmlich im Scheinwerfer des Sonnenlichts, umringt von leuchtenden grünen Büschen. Das heißt, unser Guide hat ihn entdeckt und uns gezeigt. Nicht ganz so schwierig gestaltet sich im Samburu National Park das Aufspüren von Geparden, Löwen oder Elefanten. Aber das Schwierigste bleibt immer wieder die Ent- scheidung am Morgen und am Abend: Bleibe ich in dieser traumhaften Lodge oder gehe ich auf Tracking mit den Samburus? Das muss jeder für sich entscheiden!

KITICH SAFARI CAMP – Walk on

Station Nummer 4: Kitich Camp. Wieder ist die Fahrt zum Camp bereits das erste Abenteuer. Der Weg führt nach Norden in die Mathews Mountains, wo es von der Hauptstraße weit ins Landesinnere geht. Es wird immer unwegsamer, wir überqueren viele Flussbetten, passieren kleine Massai Dörfer, bis der Fluss immer mehr Wasser führt, die Vegetation üppiger und grüner wird und wir in einer fast dschungelgleichen Gegend landen. Weit und breit befindet sich außer dem Kitich Camp hier nichts. Das kleine romantische Camp besteht aus nur sechs einfachen, traditionellen Zelten und einer wundervollen Hauptlodge, die auf einer hölzernen Plattform thront, mit Blick auf das Flussbett und die Hügel mit ihren unglaublichen, bunt strahlenden und kunstvoll geschwungenen Bäumen. Die Ruhe hier ist fast unheimlich, nicht einmal einen leise tuckernden Ge- nerator kann man hören, denn das ganze Camp wird von Solarpanelen gespeist. Hier geht es um unverfälschte, unvermittelte Erfahrungen. So un- vermittelt, dass es auch keine Jeeps gibt, sondern nur Safari Wanderungen.

Was anfangs bescheiden klingen mag entpuppt sich als ein ganz großes Erlebnis. Hier ist die Landschaft so unberührt und jungfräulich, dass man sich in einen Steward-Granger-Film von 1950 (König Salomons Diamanten) versetzt fühlt – allerdings in besseren Farben. Am Nachmittag stehen wir für den ersten Fußmarsch bereit. Drei Massai sind unsere Lebensversicherung durch die uns unmittelbar zu Füßen liegende Wildnis. Es geht an Flussufern entlang, die wir immer wieder über Granitfelsen queren, durch exotische Wälder, wir durchkämmen praktisch jedes Kapitel paradiesischer Afrikanatur. Dabei erscheinen uns die Sinne unserer Massai beinahe überirdisch. Sie erspähen Elefanten in 1.000 Meter Entfernung, wo nichts zu sehen ist, hören Leoparden im Dickicht, wo nichts zu hören ist und lesen sämtliche Spuren am Boden – auch die von Schlangen.

Natürlich kommt man den Tieren nie so nah, wie mit dem Jeep, aber es ist die Nähe zur Wildnis – auf Du und Du – welche die Safari Wanderung zu so einer Besonderheit macht. Und sogar eine der größten Geißeln moderner Zivilisation (auch in Afrika) wird hier abgestreift: kein Handyempfang! Sprachlos kommt man zurück ins Camp, genießt erst mal den heißen Schauer aus der frisch befüllten Safaridusche, bevor es auf die Terrasse zum ersehnten Sundowner geht. Der fließt wie Öl die trockene Kehle hinunter, während direkt vor dem Camp eine Elefanten-Großfamilie die Ebene im Gleichschritt passiert. Jetzt wird mir klar, was „Salomons Diamanten“ bedeutet ... und es hat nichts mit Geld zu tun.

JOY’S CAMP – Let’s enjoy

Von Kitich fliegen wir nun wieder südlich in Richtung Samburu. Unser Ziel ist das Joy’s Camp im angrenzenden Shaba National Park. Hier, an einer der vielen natürlichen Wasserquellen in der Trockenheit von Samburu, hatte Joy Adamson ihr Zelt- lager, wo sie lange Zeit mit Penny dem Leo- parden lebte, der Heldin ihres letzten Buches. Nun verteilen sich um die Oase zehn opulente Zelte, dekoriert mit traditionellen Stoffen, Lampen und Keramiken der Boran- und Somali-Kultur, die dem Ganzen einen leicht arabischen Chic geben und sich angenehm vom üblichen Safari Style abhe- ben. Man fühlt sich hier gleich unheimlich wohl und genießt jede „freie“ Sekunde im Himmelbett oder auf der Veranda, mit gebanntem Blick auf Büffel, Zebras oder Oryx, die sich um die Wasserstelle drängeln. Shabas weitläufige Dürre ist gesprenkelt mit den grünen Oasen solcher Wasserstellen, dazu umringt von kunstvoll geschwungenen Bergmassiven und durchzogen von gewundenen, felsigen Flussschluchten.

Und zu einer erfolgreichen Safari auf dem Jeep, mit dem Höhepunkt eines in der Morgensonne posierenden Geparden, gesellt sich als nächstes Highlight die Erkundung einer der Flussschluchten! Wir steigen die riesigen Felsen hinab, teils wie bei einem Klettersteig, und folgen kilometer- lang dem Flusslauf. Jede Biegung offenbart neue Felsformationen, entlockt uns leise, verzückte Ausrufe der Freude im Auf und Ab á la Indiana Jones.

Auf Sandbänken sonnen sich Krokodile, Vögel schweben schwerelos durch das Tal und ab und zu hallt der urige Schrei eines Nilpferdes durch die engen Schluchten, die zum Ende sanft auslaufen und den Blick auf die vor uns liegende Überraschung freigeben. Direkt am Flussufer hat uns das Joy Team den Tisch unter Afrikas Sonne gedeckt und bereitet uns ein köstliches Bushbreakfast zu. Pure joy!

ELEPHANT PEPPER CAMP– Safari Marathon

Unsere letzte Station dürfte wohl jedem geläufig sein, handelt es sich doch um eines der berühmtesten National Reserves im Süden Kenias, die Masai Mara. Da es hier sowohl eine Vielzahl an Lodges, als auch die von mir bereits abfällig erwähnten Minibusse gibt, bin ich nach der sehr ex- klusiven Safari im Norden eher skeptisch. Unser Zuhause ist das Elephant Pepper Camp am Rande des Parks im geschützten Koiyaki Gebiet, immerhin weit weg von den anderen Camps. Es handelt sich dabei um ein Basic Tent Camp mit einem klaren Zentrum, dem großen Lagerfeuer. Und ehrlich gesagt gibt es an Safari-Abenden kaum etwas Schöneres, als das Lagerfeuer (’African TV’), dessen Prasseln, die Tiergeräusche in der Dunkelheit, den Drink fest in der Hand. Aber die Wahrheit ist auch, dass ich außer Lagerfeuer vom Camp kaum etwas zu sehen bekomme.

Da es für den Termin meiner Keniareise leider nur ein enges Zeitfenster gab, rechnete ich nicht damit, in den Genuss der Großen Migration zu kommen. Ich hatte mich gerade an unseren letzten Guide gewöhnt, doch nun ist es Franklin, der uns mitten in die Große Migration führen soll. Doch auch seinen Namen kann ich mir dank intensiver Betreuung schnell merken: Gegen 6.00 Uhr brechen wir auf und wir werden das Camp erst gegen 19.00 Uhr wieder sehen. Es fällt schwer, den dazwischen liegenden Safari-Marathon von 13 Stunden Dauer in Worte zu fassen. Man ist zunächst gebannt vom Erlebnis der Migration selbst, dieser undurchschaubar koordinierten Wanderung riesiger Gnu- und Zebraherden in der Masai Mara nach einem für Menschen unsichtbaren Muster. Des Weiteren findet jedoch am Rande und inmitten dieser organisierten Querung von Flüssen ein anderes, erbarmungsloseres Naturschauspiel statt: Der ständige Wechsel zwischen Fressen und Gefressen werden, dem Einen folgt häufig in gnadenlos kurzem Abstand das Andere. Es scheint so, als würden alle an diesem Spiel teilnehmenden Tiere (und letztlich auch wir Beobachter) geradezu auf diesen Moment warten, darauf hin fiebern. Die Gnus und Zebras, die nach saftigem Gras lechzen, wohl ahnend, dass die Krokodile in stundenlanger Starre am Flussufer das Queren der Herden ebenso herbeisehnen, wie die Löwen, Geparden und Leoparden, die sich an diesem Gabentisch laben.

Wir stolpern fast von einem Erlebnis ins nächste, erleben eine Parade an „tierischen“ Actionmomenten, wie man sie sonst nicht einmal in einer ganzen Safariwoche zu sehen bekommt. Absoluter Höhepunkt ist am frühen Morgen der Streifzug dreier männlicher Löwen, die miteinander „spielen“ (alleine das hat Seltenheitswert), als plötzlich einer aus dem Stand mit einem Satz über einen zwei Meter hohen Busch auf seinen Ge- fährten springt – keine fünf Meter von uns entfernt. Und so geht es weiter: Löwen fressen Gnus, Krokodile verschlingen ganze Zebras, Elefanten bleiben unbeteiligt und Leoparden zeigen sich gar tagsüber zum Festival. Wer hier nichts versäumen will, der darf nicht pausieren, also frühstü- cken wir im Busch und später nehmen wir auch unser Lunch im Busch – völlig für uns alleine. „Alleine?“ werden Sie sich fragen. Wo sind denn nun die gefürchteten Minibusse mit Horden von Safaritouristen geblieben? Die gibt es, wie man bei den großen Events, wie dem „Crossing“ sehen kann
(und da nerven sie auch wirklich), jedoch verlieren sich die vielen Fahrzeuge in den unendlichen Weiten der Masai Mara.

Wie bei einer guten Erzählung hält auch an diesem langen Safaritag der Spannungsbogen bis zum Schluss und daher ist von Müdigkeit selbst bei unserer Rückkehr ins Camp noch keine Spur. Nach kurzer Dusche treffen wir uns alle am zentralen Campfire und jeder schwankt zwischen Schweigen (= Genießen) und Mitteilen (= Aufarbeiten) des Erlebten. Und so kommt es immer wieder zu diesen unvermittelt stillen Momenten, wenn alle gedankenverloren ins Feuer starren. Einige Gin Tonics sind dabei nötig, die uns aber nicht von dem klaren Gedanken abhalten können, was am nächsten Tag auf dem Programm steht: Sorry Franklin, another safari marathon!

C&P-NATURSCHUTZ UND SOZIALE VERANTWORTUNG – Gemeinsame Zukunft für Bevölkerung & Tourismus

Die Welt ist voller Gegensätze. Man weiß es, in Afrika erlebt man es hautnah. Wir wollen Teile der Erde schützen wie Naturparks in Afrika und während wir in unserem Teil der Erde längst alles modernisiert haben, scheint es, als solle der dort lebenden Bevölkerung der Fortschritt verwehrt bleiben. In Zukunft kann Tourismus jedoch an diesen wunderbaren Orten nicht ohne Rücksicht auf diejenigen praktiziert werden, die dort Leben!

Daher müssen wir uns als Touristen auch an ganzheitlichen und verantwortungsvollen Tourismuskonzepten beteiligen. Öko-Tourismus endet nicht bei Solarpanels oder Mülltrennung, es bedeutet vielmehr auch die sozialen Herausforderungen zu meistern. Stefano Cheli nannte mir ein einleuchtendes Beispiel: Schon früher hat man die Massai vom Tourismus profitieren lassen, letztendlich verlangt man von ihnen ja, dass sie ihre Kühe und Ziegen nicht in den Naturschutzgebieten grasen lassen. Da für die Massai jedoch Geld keine Rolle spielt, die Größe der Kuhherde dagegen über soziales Ansehen entscheidet, haben die Massai diesen Profit in Kühe und Ziegen investiert, wodurch sich das Problem logischerweise nur verschärft hat.

Cheli & Peacock praktizieren nun seit mehr als 25 Jahren Naturschutz durch den Betrieb ihrer eigenen Lodges in Kenia und versuchen, die Bevölkerung nicht nur monetär profitieren zu lassen. Man fördert Schulen und bindet immer mehr Massai oder Samburu in den Tourismus mit ein, denn Bildung ist das, was am dringendsten benötigt wird. Bereits die Kinder müssen verstehen, wie wichtig der Naturschutz für ihre Zukunft ist, dass in der Natur letztendlich ihre einzige Zukunft liegt. Auch hier ist es nicht damit getan, lediglich Geld auf den Tisch zu legen. Stefano Cheli selbst ist immer wieder vor Ort und diskutiert, arrangiert, regelt oder findet Lösungen mit den Lehrern und Dorfältesten. Damit zeigt er, dass er deren Bedürfnisse ernst nimmt, ihre Bräuche und Lebensgewohnheiten achtet. Jede Lodge hat ihre eigenen Projekte und nimmt die Gäste mit zu Schulen oder Dörfern.

In Elsa’s Kopje und in Kitich haben wir einen Vormittag die Schule besucht und Schulbücher (die es in der Lodge zu kaufen gibt) mitgebracht. Es ist ernüchternd zu sehen, dass sich immer noch zehn Kinder drei Bücher teilen müssen. Etwas beschämt nimmt man die Freude wahr, die bei den Schülern durch Schulbücher aufkommt, denkt man doch an die eigenen Kinder oder eigene Schulzeit, wo derartige Gefühle wohl nie durch Schulbücher hervorgerufen wurden.

In Lewa und in Shaba haben wir ein Massai- und Samburu-Dorf besucht. Auch hier wurden wir Zeuge dieses wunderbaren Erlebnisses, direkt Helfen zu können, zu sehen, wo die Hilfe wirklich ankommt. Solche Erfahrungen lassen mich immer mit einem schlechten Gewissen zurück: Wie oft überweist man nur Geld auf Hilfskonten und macht danach zufrieden – oder zumindest mit beruhigtem Gewissen – weiter wie zuvor. Doch man darf die Augen nicht verschließen, auch wenn man in ein Land wie Kenia fährt und dort eine „Luxussafari“ bucht. Dafür ist der C & P-Community Trust eine perfekte Organisation, die Tiere schützt, Menschen hilft und uns als Besuchern die Möglichkeit gibt, sich direkt daran zu beteiligen und den eigenen Horizont zu erweitern. Dafür bedarf es nicht nur Geschäftsmänner, sondern auch Idealisten. Wir als Touristen können zumindest beeinflussen, wer erfolgreicher ist.

MR. CHELI – Vision of an Italian African

Stefano Cheli ist seit genau 25 Jahren Pionier in einem Land, welches es Pionieren, noch dazu jenen die aus Europa kommen, nicht gerade einfach macht. Er ist gebürtiger Italiener und lebt eine Passion. Die Wildnis. Schon damals hatte er die Vision für ein komplett intaktes Ökosystem. Er erkannte sofort, dass Umzäunung geschützter Reservate in Kenia nicht der richtige Weg sein kann, da 70% der Tierwelt außerhalb von Parks leben. Gerade die Landflächen um die Parks mit ihren Dörfern spielen eine wichtige Rolle im gesamten System von Tier, Natur und Mensch. Nur ohne Zäune und unter Einbeziehung aller Landflächen können Tiere innerhalb dieses Ökosystems wandern und sich frei bewegen. Daran arbeitet Stefano Cheli seither strikt und unermüdlich und hat es geschafft seine Lodges über die vielen Jahre in Gebieten zu platzieren, die nicht umringt sind von vielen anderen Camps. Stefano Cheli hat uns selbst zwei Tage auf unserer Reise begleitet, in Kitich und Joy’s Camp. Ob auf dem Jeep oder zu Fuß im Busch: Stefano hat nichts von seiner Passion für dieses Land und für die Wildnis verloren. Er ist Vorbild für modernen Tourismus und ein Perfektionist für kleinste Details, Lösungen und Besonderheiten in seinen Camps oder Jeeps. So lange es das Ökosystem nicht stört! Forza Kenia!

 

Best Season?

Na ja, viel ändert sich am Äquator natürlich nicht. Die besten Reisezeiten für die Nationalparks sind die Trockenzeiten der Sommermonate Januar und Februar, sowie der Wintermonate von Juli bis September. Regenzeit bedeutet allerdings nicht wie bei uns Dauerregen. Meistens gibt es am Tag höchstens einen kurzen Schauer. Zur Trockenzeit ist das Gras natürlich niedriger und man sieht viele Tiere einfach leichter. Dafür kann es zur Regenzeit aber wiederum einen farbigeren Busch geben. Wichtig zu wissen: Auch in den Sommermonaten kann es in den höheren Regionen Masai Mara oder Lewa nachts recht kühl werden.

 

Details zu den Chili & Peacock Lodgen

www.chelipeacock.com

 

Informationen & Buchungen

Abendsonne Afrika GmbH
Zur Unteren Muehle 1
89290 Buch
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www.abendsonneafrika.de