Sambia

Land der grossen Pioniere

Ich bin nicht zum ersten Mal in Sambia – und sicher auch nicht zum letzten Mal. Dabei hat es mir besonders die vielfältige und unberührte Landschaft des South Luangwa angetan. Und anscheinend bin ich nicht der Einzige, denn hier haben sich viele Afrika-Pioniere niedergelassen und Safariunternehmen gegründet, nicht unbedingt wegen des Geldes, eher wegen ihrer Passion zu dem schwarzen Kontinent. Wie zum Beispiel Norman Carr oder Robin Pope, allesamt bekannt für ihre Walkingsafaris und damit der Möglichkeit, auch auf andere Weise, als mit dem Jeep die Tierwelt zu erkunden. Kaum ein anderes afrikanisches Land bietet so viele einzigartige Safari-Lodges mit individuellen Guides und Möglichkeiten wie Sambia und so bin ich auch hier wieder auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen fündig geworden. Schnallen Sie sich an, denn hier hebt man ab.

Wir starten in Sambia aber an ganz anderer Stelle. Dem Lower Zambezi Nationalpark. Von Kanga Camp, dem letzten Camp in Simbabwe, sind es nur wenige Stunden Autofahrt zur berühmten Chirundu Brücke, die Sambia und Simbabwe über den großen Sambesi Fluss verbindet. Vor diesem Grenzübergang staut sich eine unendliche LKW Schlange, beladen – oder besser gesagt überladen – bis zum äußersten stehen sie Kilometer lang im afrikanischen Staub, geduldig auf ihre Abfertigung wartend. Wir müssen glücklicherweise nicht anstehen, tasten uns im Staubnebel vorbei an diesen Kolossen, erledigen brav alle Formalitäten an der Grenzstation und wechseln kurz danach auf ein bereits wartendes Schnellboot am Flussufer. Jetzt geht es full speed flussaufwärts zum Camp. Die Faszination des Lower Zambezi Nationalparks liegt in diesem gewaltigen Fluss mit seinen vielen Möglichkeiten. Tausende von Krokodilen und Nilpferden bevölkern hier die vielen Sandbänke und Flussausläufer, Fischer aus aller Welt kommen hierher, um den Tigerfisch zu fangen und für den erfahrenen Safariurlauber sind es die Kanutouren in den Nebenflüssen, die nur hier so nahe an den Tieren und besonders den Nilpferden gemacht werden können. Auf Simbabwes Seite gibt es zwar auch Kanusafaris, allerdings nur auf dem Hauptfluss, da die Nebenarme nur auf Sambias Seite existieren. Aber auch Gamedrives mit dem Jeep sind hier möglich und man kann nicht selten Löwen auch zur Dämmerung in ihrer aktiven Zeit erleben, da es kein Nachtfahrverbot im Park gibt. Das Chiawa Camp ist gut besucht, denn es ist Hauptsaison für den Tigerfisch und der ist nun mal hier am größten. Aber auch die fanatischen Fischer, von denen einige bereits seit vielen Jahren als Dauergäste hier erscheinen, wissen um die Faszination der Kanusafaris und paddeln sich gerne durch die Windungen der Flussarme. Leider bleiben mir nur zwei Tage hier am Sambesi und da hat „paddeln“ oberste Priorität. Ein Motorboot bringt uns mit den Kanus im Schlepptau flussaufwärts bis zur Mündung einer der geheimnisvollen kleinen „Kanäle“. Man steigt um auf das Kanu, welches in immer gleicher Besetzung startet: Der Guide sitzt hinten und der Gast vorne, beide mit Paddeln ausgerüstet. Alle Guides sind extrem erfahren und wissen genau das Kanu zu steuern und unnötigen Kontakt mit Flusspferden zu vermeiden. Allerdings kribbelt es schon gewaltig wenn die riesigen Kerle in ein paar Metern Entfernung auftauchen, mit riesiger Wasserfontäne aus den Nasenlöchern eindringlich warnen: „Bitte nicht näher!“ und dann mit einem Ruck abtauchen und wie ins Nichts verschwinden. Hätte man nicht eben diese Riesen gesehen, könnte man nicht glauben, dass sich irgendwo in der Nähe mehrere drei Meter lange Flusspferde aufhalten – so ruhig ist es bis zum nächsten Auftauchen. Viele, gewaltig viele Vogelarten begleiten die Tour, landen auf dem Wasser oder am Ufer und starten wieder. Warzenschweine, Antilopen und viele andere heimische Tiere kommen zum Ufer und bestaunen die Kanutruppe in aller Ruhe, als wüssten sie genau: „Die können mir in ihrer kleinen Schale nicht gefährlich werden“. Man genießt das in vollen Zügen und man genießt es besonders wegen der Ruhe. Kein Motorgeräusch von Jeep oder Motorboot, nur das sanfte Patschen der Paddel im Wasser. Dann plötzlich ein gewaltiger Adrenalinschub. Wir steuern auf Elefanten am Ufer zu und nähern uns diesen bis auf wenige Meter. Ein Highlight, wenn die Dickhäuter kurz vor dem Kiel den Fluss überqueren in aller Ruhe und Souveränität, die auch mein Guide im Heck ausstrahlt, so dass ich getrost meine Kamera nehmen kann und die Bilder bekomme, die ich mir erträumte – echter XXL Faktor. Auch die Camps am mächtigen Sambesi haben einen besonderen Reiz, besonders am Morgen wenn die afrikanische Sonne am Horizont auftaucht und fulminante Orangetöne auf dem Fluss zaubert, während man frischen Kaffee schlürft und den Duft des Morgens und der brennenden Hölzer im Lagerfeuer inhaliert.

Vom Lower Zambezi geht es per Kleinflugzeug nach Lusaka und dann nach Mfuwe mit einer etwas größeren Propellermaschine. Vom Flughafen von Mfuwe sind es dann noch etwa zwei Stunden Fahrt im Jeep bis zum South Luangwa Nationalpark. Die Fahrt im offenen Geländewagen geht vorbei an vielen kleinen Dörfern und Hütten und zeigt das afrikanische Leben an der Straße mit Kindern, Frauen und Männern, meist auf Rädern oder einfach zu Fuß. So kommt bis zum Eingang des Nationalparks kein bisschen Langeweile auf. Die erste Station sind das Kaingo Camp und das Mwamba Camp von Shenton Safaris. Beide wurden von Derek Shenton erbaut, dessen Vater, Barry Shenton, in Sambia eine tragende Rolle gespielt hat, unter anderem bei der Gründung des South Luangwa und des Kafue Nationalparks. Wer kleine und persönliche Camps ohne Schnickschnack mag, ist hier genau richtig, denn bei Shenton Safaris geht es ausschließlich um das Erlebnis. Dafür hat man sich auch etwas Besonderes einfallen lassen, weshalb beide Camps auch auf meiner XXL-Liste stehen. Derek Shenton hat ganz spezielle Beobachtungsstände (Hides) gebaut, die einen typischen Safaritag sehr abwechslungsreich gestalten. Der Gast alleine bestimmt wann und wie lange er in einem dieser Hides verharren will. Und es gibt einige davon: Elephant Hide, Hippo Hide, Carmine Bee-Eater Hide oder Mwamba Hide (das letzte Wasserloch). Die meisten Namen sind selbsterklärend bezüglich der vorwiegend zu beobachtenden Tiere. Die Hides sind wunderbar in die Landschaft integriert und man kann aus geringster Entfernung auf eine ganz eigene Weise Elefanten, Hippos oder „durstige“ Besucher am letzten Wasserloch genießen und dabei einmalige Bilder schießen. Eine extreme Herausforderung stellt dabei der Carmine Bee-Eater Hide dar. Man kommt den äußerst scheuen, kleinen bunten Flugkünstlern zwar sehr nahe, aber trotzdem ist es selbst mit modernsten Kameras eine „Challenge“, die blitzschnellen Vögel beim An- oder Abflug zu ihren Lehmlöchern überhaupt zu erwischen. Ob sie dann auch noch „scharf“ auf der Speicherkarte verewigt sind, ist eine andere Frage. Es macht richtig Spaß, auf die Jagd nach einem Schnappschuss dieser roten Torpedos zu gehen, wie auch auf den perfekten Augenblick zu warten, an dem ein Nilpferd sein Maul scheinbar an die 180 Grad weit aufreißt - und das kann ein Geduldsspiel sein. Auch der Gamedrive von einem Hide zum anderen durch diese abwechslungsreiche Landschaft liefert unablässig Postermotive: weitläufige Flussufer, kunstvoll geschwungene Bäume, der mannigfache Artenreichtum der Tierwelt. Löwen sind hier an der Tagesordnung und nicht selten schaffen es die geschulten und hoch motivierten Guides, einen Leoparden aufzuspüren. Derart majestätische Anblicke kann man dann meistens komplett für sich alleine genießen, denn das Vehicle des nächsten Camps ist weit entfernt. Apropos Camp, ich mag natürlich diese kunstvoll gestalteten afrikanischen Camps, doch ebenso schätze ich die einfachen, natürlichen Camps und da hat mir das kleine einfache Mwamba Camp sehr imponiert. Die Chalets haben eine Art «Dachfenster», natürlich geschützt mit einem Moskitonetz, wo man beim Liegen die Sterne bestaunen kann. Jedes Chalet steht unter einem anderen Baum und wird nach diesem benannt, es sind dies 'Fig', 'Ebony' und 'Sausage'. Der kleine Essplatz unter dem großen Ebony Baum ist besonders romantisch und beschert wundervolle Abende mit intensiven Gesprächen über große Abenteuer. Gütesiegel: XXL proved!

Nächste Station ist das unweit gelegene Tafika Camp. Um dorthin zu gelangen muss man mit dem Kanu über den mächtigen Zambezi, denn es ist das einzige Camp im Norden des Nationalparks. Das Camp ist gleichzeitig Heim seiner Besitzer John und Carol Coppinger. Die Coppingers gehören zu den Pionieren des Tierschutzes und des Tourismus in Sambia und gründeten 1995 die Firma Remote Africa Safaris, zu dem noch die beiden rein auf Walking Safaris ausgelegten Camps Chikoko Tree Camp und Crocodile River Camp gehören. Gäste können Walking Safaris zwischen diesen beiden Camps unternehmen und, den Pfaden von Flusspferden und Elefanten folgend, die Faszination und die Freiheit Afrikas erleben. Hier gibt es keine Wege, keine Autos, kein elektrisches Licht - nur die Stille und die Geräusche des Buschs. Alleine die Professionalität, die Begeisterung, die riesige Erfahrung und die unendlichen Möglichkeiten für Walking Safaris die John Coppinger bietet sind es wert, seine Camps zu besuchen und würden für unser XXL Gütesiegel bereits ausreichen. Aber dann ist da noch das Essen. Das ist in allen Camps immer gut, gerade bei den Möglichkeiten, die man mitten im Busch hat, aber Carol Coppinger hat ein mehr als goldenes Händchen wenn es um das kulinarische Erlebnis zwischen den Safaris geht. Damit aber immer noch nicht genug. Die Krönung des Coppinger Adventure steht hinter dem Camp auf einer kleinen geschützten Stellfläche. Hier treffe ich mich mit John genau um 5:30, kurz vor Sonnenaufgang. Ich prüfe noch mal, ob meine Kamera fest am Tragegurt sitzt, meine Taschen komplett entleert sind, um Johns Briefing genau zu befolgen. Dann nehme ich auf einem kleinen Fluggerät Platz, das sich Microlight nennt. Um mich herum ist nichts, hinter mir ein kleiner 50 PS Motor, über mir die leichten weiß-blauen Flügel und direkt vor mir der Pilot – John Coppinger. Was nun beginnt ist schwer zu beschreiben, ich bezeichne es zunächst ganz einfach als eines der größten Erlebnisse, auf die ich mich je eingelassen habe!
Der kleine Motor hinter mir brummt auf – nicht besonders laut - und wir rollen auf die Piste. Ein letztes „Ready?“ schallt durch die Kopfhörer und ich antworte mit meiner überzeugtesten Stimme „Ready“. Dann nehmen wir Fahrt auf und ich kann nicht glauben wie schnell wir abheben (alles muss doch ziemlich leicht sein). Fast lautlos schweben wir in die Höhe und mein visuelles System kann kaum verarbeiten, was sich rundherum bietet. Am Horizont zeigt sich gerade die Sonne und die brechenden Sonnenstrahlen zaubern Tausende unterschiedlich glänzende Gold- und Brauntöne auf Erde, Bäume und Wasserflächen. John erklärt nun mit seiner tiefen, ruhigen Stimme was sich unter uns tut und was wir jeweils ansteuern. Wir fliegen über Löwen, die uns völlig unbeeindruckt anstarren, wir steuern eine Büffelherde an, die dieses Microlight ganz und gar nicht mögen und ziemlich viel Staub aufwirbeln. Alles habe ich sicher schon gesehen, aber eben nicht so – von oben und doch aus der Nähe. Der Fluss gleicht aus dieser Vogelperspektive einer gigantischen Anaconda, die sich durch die Landschaft schlängelt, Nilpferde wirken wie rote Beulen auf dem Fluss, Krokodile am Ufer erinnern an Baumstämme im Sand und Elefanten erscheinen noch majestätischer als vom Boden aus. Wir nehmen die Fährte eines großen Elefantentrupps auf, denn John meint, sie bewegen sich sehr schnell auf den Fluss zu. Immer wieder fliegt er sanfte Bögen um die Dickhäuter, die tatsächlich mächtigen Durst haben müssen, denn ihr Schritte gehen schnell und zielgerichtet Richtung Wasser. Was für ein Motiv bietet sich mir, als diese endlich den Fluss erreicht haben, „knietief“ im Sambesi stehen und sich mit Wasser volllaufen lassen. Die intensive Morgensonne beleuchtet die Szene, wie es kein Hollywoodfilm vermag und erzeugt Glücksgefühle, die keine Droge dieser Welt erzeugen kann – ohne Nebenwirkung. Leider setzen wir nach etwa 30 Minuten wieder sanft auf und während wir ausrollen läuft das eben Erlebte in meinem Kopf-Kino nochmals ab. Bis diese markante Stimme die Pause Taste drückt und mich aus dem Film reißt: „Again -Tomorrow morning 5:30?“. „Yes, yes, yes... 5:30, this is XX(X)L“.

Mit einem festen Händedruck und einem unermesslichen Gefühl der Dankbarkeit, das ich vergeblich versuche, in Worte zu fassen, verabschiede ich mich schweren Herzens von den Coppingers und mache mich auf zur letzten Station. Diesmal hab ich eine Lodge aus dem Sanctuary Programm ausgesucht. Es ist die Sanctuary Puku Ridge Lodge. Benannt wurde dieses zauberhafte und äußerst komfortable Safari-Camp nach der Puku Antilope. Es wurde leicht erhöht in die Hügel gebaut und gibt in der gesamten Lodge den Blick frei über die fruchtbaren Flutebenen des Süd-Luangwa Nationalparks. In nur sieben großräumigen, äußerst liebevoll und geschmackvoll eingerichteten Luxuszelten mit elegantem Badezimmer inklusive einer riesigen freistehenden Badewanne, großen Panoramafenstern und einer schönen Veranda, kann man sich völlig entspannt dem Genuss der afrikanischen Natur hingeben. Die mit einem kleinen Wasserlauf eingerahmte und nur aus Naturhölzern bestehende, offene Lounge schließt man sofort ins Herz, denn hier genießt man jeden Abend in vollen Zügen mit dramatischem Sonnenuntergang und vorzüglichen Mahlzeiten, nachdem man tagsüber die atemberaubende Wildnis auf abenteuerlichen Safaris im Geländewagen oder bei einer geführten Wanderung erlebt hat. Der X-Faktor im Sanctuary Puku Ridge Lodge hat kurzes Fell und seine Farbe reicht von Stroh-Gelb über Orange bis zu einem dunklen Ockerfarbton. Seine Fellzeichnung zeigt Rosetten, die besonders in Längsrichtung des Rückens reihenförmig angeordnet sind und am unteren Hals Erdbeerflecken, die wie Halsbänder wirken. Der Leopard – ein Einzelgänger, der seine Schönheit nicht offen zeigt und nur nachts unterwegs ist. Er ist nicht einfach zu finden und es bedarf schon eines sehr, sehr guten Guides, um die Wildkatze aufzuspüren. Nach zwei Tagen hier im Camp denke ich allerdings, es kann ja doch nicht so schwer sein, denn auf allen Gamedrives spüren wir nicht nur einen, sondern gleich mehrere der Nachträuber auf. Ladies, Ladies mit Kids, Gentlemen oder Bachelor, alles ist dabei und steigert die Faszination für diese edlen Tiere von Mal zu Mal nur noch weiter. Wir folgen Leoparden, wir beobachten Leoparden, wir studieren Leoparden, nur wir „küssen keine Leoparden“. Auch diese letzte Mission ist ein voller Erfolg und hat die XXL-Prüfung klar bestanden. Leider ist es das große Finale und von hier aus geht es wieder in Richtung Heimat. Ich sitze im Flugzeug und denke genüsslich an alle Stationen zurück. „Wäre schön, wenn jetzt auch die Sitze noch XXL wären!"

 

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