Aspen Ski & Lifestyle

Ski XXL

Zugegeben: Skifahren in den USA ist nicht gerade der nächste Weg, noch dazu wenn man die Alpen vor der Haustüre hat. Aspen, das hübsche Silberminen-Städtchen aus viktorianischer Zeit, ist berühmt für seine Geschichte, sein kosmopolitisches Flair, seine hervorragenden Restaurants, sein legendäres Nachtleben und die unendliche Weite der Pisten.Und in den Geschichten Dagewesener ist immer schwärmerisch die Rede von diesem unglaublichen Pulverschnee. Unglaublich wird es dann, wenn man von 300 Sonnentage im Jahr hört und keinen Warteschlangen an den Liften. Jetzt will ich es wissen! Wann geht der nächste Flug nach Denver/Colorado?

Airport Denver. Goldene Sonnenstrahlen begrüßen mich in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado, gelegen am östlichen Fuß der Rocky Mountains. Nach der Ankunft geht es ohne Unterbrechung weiter, denn von hier aus fliegen die kleinen Passagiermaschinen im Zweistundentakt Richtung Aspen. 25 Minuten später landen wir mitten in den Rocky Mountains und der legendäre amerikanische Ski-Service nimmt seinen Lauf. Auf dem netten kleinen Aiport habe ich meinen „Abholer“ auch gleich gefunden und wir starten in Richtung Hotel – Gepäckabholung Fehlanzeige, das wird erledigt. Der schwarze Jeep pflügt sich durch jede Menge Schnee (es soll dieses Jahr wieder ein Rekordjahr sein) und nach wenigen Minuten fahren wir bereits durch die romantischen, Kopfstein gepflasterten Straßen von Aspen, dessen wunderschöne viktorianische Häuserfassaden noch heute von seiner Zeit als Silberminenstädtchen zeugen.

Trotz des unglaublichen Services ist die Atmosphäre locker und keinesfalls steif, wie in manchen europäischen Grand Hotels. Meine Laune hebt sich trotz der langen Reise deutlich, denn Freundlichkeit ist nun mal ansteckend. Nach einem Drink am gemütlichen Kamin der Lounge geht es ab ins Zimmer, wo bereits mein Gepäck steht – Skier und Boots natürlich im Skiraum, beschriftet mit meinem Namen. Ich werfe noch schnell einen Blick nach draußen, bevor ich mein riesiges Bett einnehme: Hurra, es schneit! Powder ich komme...

Tag 1 Aspen Mountain

Ich wache sehr früh auf, nicht wegen des Jetlags, sondern wegen des Neuschnees. Also absolviere ich – motiviert bis in die Zehspitzen – ein paar Dehnungsübungen, bevor es überhaupt Frühstück gibt. Draußen fallen immer noch dicke Flocken und ich träume nicht von Powder, sondern von „deep“ Powder. Da darf es schon ein richtiges amerikanisches Frühstück sein, mit „fried eggs over easy“, Speck und Würstchen. Nicht gesund – das gibt’s morgen – aber gut. Endlich ist es 8:30 und mein Guide betritt die Lobby, ich hab es eilig, also schreiten wir nach kurzer Begrüßung in den Skikeller. Von wegen Keller! Auf der 2. Etage ist es mehr eine Lounge, mit Kaffee & Kuchen und Blick auf die Gondel, die exakt sieben Stufen vom Ausgang entfernt ist und ich verstehe jetzt den Begriff „Ski in Ski out“ besser. Nach meiner Ausrüstung muss ich nicht suchen, die hält mir einer der vielen char- manten „Jungs“ des Hotels entgegen und – bevor ich es vergesse – mein Skipass ist auch bereit, denn der lag gestern Abend schon in meinem Zimmer!

Ich kann nicht mal richtig die Bergluft inhalieren, da sitzen wir bereits in der Silver Queen Gondelbahn. Viel kann ich draußen nicht erkennen, es schneit noch immer, außer dass es jede Menge Pulverschnee gibt und das zählt. Mein Guide ist eine Frau („nett“ erwähne ich nicht mehr, das ist hier Standard), die seit vielen Jahren in Aspen wohnt. Richtig ins Schwärmen kommt sie, wenn es um ihren Ort, die Natur und die Umweltschutzprogramme in der Region geht. „USA und Umweltschutz?“ frage ich höflich und lasse mir alles genau erklären, wofür die Zeit nicht reicht bis zur Bergstation und wir beschließen in der nächsten Liftfahrt weiter darüber zu reden, denn jetzt ist es soweit: Helm auf, Skibrille vor die Augen, Skistöcke fest im Griff und wir stürzen uns in Colorados Pulverschnee. Mein Guide fährt erstklassig und kennt sich bestens aus. Ich fahre einfach hinterher, freue mich tierisch über den nach allen Seiten staubenden Schnee und genieße Abfahrt für Abfahrt – kein Anstehen, jungfräulicher Pulverschnee und jede Menge Pisten – offiziell und abseits. Ich weiß nicht, wie viele Spuren wir im Gelände von Aspen Mountain gelegt haben, aber meine Beine sagen mir, es müssen hunderte gewesen sein. Dementsprechend tragen sie mich am Abend nur noch in die Hotelbar und danach in das Little Nell Montagna Restaurant. Chef Ryan Hardy verwöhnt mich mit faszinierender Rocky Mountain Artisan Cuisine. Sein berühmtes 3-Gänge Menü aus seiner fresh cuisine wird mit den frischesten und außergewöhnlichsten heimischen Zutaten zubereitet. Bekannt ist der Küchenchef ebenfalls als Meister in der Herstellung seiner eigenen Käseprodukte und Schinken.

Tag 2 Buttermilk

Die Motivation hat sich noch gesteigert: Ich blicke aus dem Fenster und ein stahlblauer Himmel lacht mir entgegen – unglaublich, was für ein Glück! Mein Guide scheint gefasster zu sein, verständlich, als sie mir erzählt es wäre die ganze letzte Woche hier so gewesen. Buttermilk ist ein Skigebiet in dem es etwas relaxter zugeht, ideal für Anfänger und Snowboarder, oder Familien mit Kindern. Seit dem Jahr 2000 finden in Buttermilk traditionell die ESPN Winter X-Games statt – das international spektakulärste Ereignis für Extremsportler, wo auch Motorräder und Schneemobile gewagteste Sprünge demonstrieren. Austragungsort ist der Crazy T’rain Park, der angeblich längste Snowboard Park seiner Art. Wir überlassen die gewaltige Halfpipe der Jugend, machen uns auf in den Pulverschnee von Buttermilk und ziehen unsere Runden ungestört in den vielen kleinen Waldabschnitten zum perfekten „Tree-Skiing“.

Der Schnee ist staubtrocken und die Flöckchen stieben wie Federn im Fahrtwind davon. Die umliegenden Wüsten und Salzseen entwässern die Luft und so legen sich die kalten Kristalle wie weißer Puder über die Landschaft. Es fährt sich darauf wie auf Watte. Was für ein Tag!

Wer in Aspen zu früh ins Bett geht, verpasst etwas, zum Beispiel beim Shopping. Die Geschäfte führen alle Luxusmarken, aber auch Mode im Westernstil. Stylisch oder rockig, romantisch oder ruhig: Im legendären Nachtleben von Aspen/Snowmass zelebrieren die Besucher Après Ski in Jazz Clubs, Lounges oder Bars oder erholen sich bei einem erlesenen Dinner zu sanften Pia- noklängen. Es ist einfach für Jeden etwas dabei und alleine wenn man durch das romantisch beleuchtete Westernflair des Ortes spaziert kommen Glücksgefühle auf. Ein Vorurteil muss ich ablegen, Aspen ist nicht der Schicki-Micki Skiort wie angenommen, es ist stilvoll, elegant und authentisch. Ich kriege nicht genug davon, durch die Straßen zu schlendern, entscheide mich schließlich aber doch für eine der Westernbars in der Cooper Street – Jetzt schon als bekennender Aspen Fan.

Tag 3 Snowmass

Wir fahren mit dem Bus in das ca. 15 km entfernte Snowmass: Mit 137 Pistenkilometern größer als alle drei anderen Skiberge zusammen. Wir starten pünktlich, aber mein „Superguide“ macht mir keine Hoffnung: Snowmass ist zu groß um an einem Tag erkundet zu werden - man muss wiederkommen. Sie hat gut reden, schließlich wohnt sie ja nicht auf der anderen Seite des Atlantik! Vor uns bauen sich 1.265 Hektar „Cruiser“-Pisten, Steilhänge, Terrain Parks und Halfpipes auf. Genau gesagt 22 Lifte und 88 Pisten (eine sogar länger als 8 km), Snowmass übertrifft jede Erwartung. Wer überfüllte Pisten gewohnt ist, kämpft hier mit der Einsamkeit und wer schon immer einmal richtig Carven wollte findet hier die Möglichkeiten: Die breitesten Pisten, die ich je gesehen habe perfekt präpariert. Ich lasse es laufen und versuche meinen Guide nicht zu verlieren – sonst wäre ich verloren.

Am Abend steht ein Umzug in das ein paar Straßen weiter gelegene St. Regis an. Majestätisch begrüßt die Lobby seine Gäste und der engagierte Hotelboy zeigt mir ausführlich jeden Winkel in diesem riesigen Hotel. Er kann ja nicht ahnen, wie müde meine Beine sind, doch am Ende sind wir am SPA angelangt und ich checke gleich für eine Belebungsmassage ein. Mit neuer Energie genieße ich meine stilvolle Suite, bis mir mein Magen befiehlt in das St.Regis Restaurant zu gehen. Chefkoch Adam Tanner bringt hier kulinarischen Zauber auf den Teller und spricht meine Sinne zu 100% an. Mit erstklassigem Live-Jazz und Klaviermusik klingt ein weiterer perfekter Tag in der Shadow Mountain Lounge aus.

Tag 4 Aspen Highlands

Heute werde ich besonders gebrieft, denn Aspen Highlands ist vor allem für sein extremes Gelände bekannt. Atemberaubende Aussichten, rassige Pisten, die zu 30 Prozent mit imposanten ‘double black diamonds’ markiert sind. Ein absolutes Muss für jeden Tiefschneefan ist die ‘Highland Bowl’, ein 30 minütiges Vergnügen mit Hangneigungen von bis zu 45°. Mit seinen anspruchsvollen Abfahrten ist der Aspen Mountain selbst für Experten noch eine Herausforderung und lässt das Herz eines jeden Skifahrers höher schlagen. Ich denke mir: „Naja, was kann im übervorsichtigen Amerika ‘double black diamonds’ schon bedeuten – Normal schwarz eben.“ Wieder liege ich falsch: es ist extrem, es ist imposant, es ist double! Ich kämpfe, ich staune und ich denke ich kann nie genug bekommen.

Schließlich bin ich aber doch froh (besser gesagt meine Beine jubilieren), als mein Guide vorschlägt, früher einzukehren in das legendäre Cloud 9 (Der englische Ausdruck für Wolke7). Noch muss ich das Erlebte (Gefahrene) verarbeiten, da betreten wir die Cloud 9, das ist für Aspen das, was das Sansibar für Sylt ist. Nur kleiner. Immer voll. Der österreichische Wirt Andreas Fischbacher serviert hier Wild und Raclette am offenen Feuer. Natürlich darf eine Spezialität auf der Menükarte nicht fehlen: Kaiserschmarrn. Nach einem derartigen Skiabenteuer bestelle ich die gesamte Palette, Schnaps inklusive, denn jetzt wird gefeiert – Vier Tage Ski XXL.

Abreise. Meine Laune hat einen Tiefpunkt erreicht. Es beginnt wieder zu schneien und ich muss Kilometer von unverspurten Hängen zurücklassen. Aspen/Snowmass hat mich gepackt, vereinnahmt, gefesselt und das Roaring Fork Valley schreit mir immer wieder zu: Bleib noch ... wann kommst Du wieder ... Ich flüstere zurück: Eher als Du denkst ...

 

Information & Buchung

THE LITTLE NELL ASPEN

675 East Durant Avenue, Aspen, CO 81611
ab 179,- € pro Person/Nacht ohne Frühstück (Mountain Side View) www.thelittlenell.com

ST. REGIS ASPEN

315 East Dean Street, Aspen, CO 81611
ab 120,- € pro Person/Nacht ohne Frühstück (Deluxe King Room)

www.stregisaspen.com

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www.designreisen.de

info@designreisen.de