Bali - Moderne Hotelarchitektur

Das Spiel mit den Elementen

Ein Statement. Nichts weniger ist das ALILA VILLAS ULUWATU. Ganz im Süden Balis, auf einem Kalksteinsockel der Halbinsel Bukit, haben die Architekten vom Singapurer Büro WOHA ein Resort entworfen, das tropische Architektur neu definiert und trotz aller Modernität in traditionellen balinesischen Bauweisen wurzelt.
Der Wow-Effekt gleich bei der Anreise ist garantiert: Beim Betreten des Resorts lenken spiegelglatte Wasserflächen den Blick zum Horizont und einer überdimensionierten Vogelvoliere, die über dem 100 Meter steil ins Meer abfallenden Kliff zwischen Himmel und Erde zu schweben scheint. Einen spektakuläreren Spot für einen Sundowner kann man sich nur schwer vorstellen. Ausladende Lounge-Möbel laden dazu ein, einen oder gerne auch zwei Lime Fusions mit Zitronengras auf Wodkabasis zu genießen. Sich vom Blick in den Himmel und dem endlosen Blau des Indischen Ozeans gefangen nehmen zu lassen, sich auf das Spiel mit den Elementen einzulassen. Den Lichtreflexen und dem Wind, der in den frühen Abendstunden die Lounge durchweht. Ein Ort, der einem komplett aus dem Alltag herauskatapultiert, einem zum Schweben bringt.

Die Natur soll die Hauptrolle spielen, die Architektur das intensive Erleben der Natur möglich machen, lautet die Philosophie hinter dem Konzept. Die Übergänge von drinnen und draußen sind fließend. Das gilt auch für die großzügigen lichtdurchfluteten Gästevillen. Raumhohe Glaswände lassen sich zur Seite schieben, so dass sich die Räume gänzlich zu den Terrassengärten mit den Pools öffnen und die Meeresbrise ungehindert hereinwehen kann. Seitliche Mauern schützen die Privatsphäre und machen die Gärten zum Wohnzimmer im Freien. Von jedem Platz aus, von den Pavillons, den Restaurantterrassen oder dem Pooldeck wird der Blick aufs Meer inszeniert.

Die Klaviatur des East-meets-West- Themas, das wie ein Leitmotiv die gesamte Architektur durchdringt, beherrschen die WOHA-Architekten virtuos. Der in Singapur gebürtige Wong Mun Summ steht für das WO, der in Perth aufgewachsene Australier Richard Hassell für das HA, zusammen gelten sie als Dream Team. Beide sind mit dem kulturellen Background des jeweils anderen vertraut. In ULUWATU ist diese Verflechtung der beiden Kulturen überall gegenwärtig. Die bis ins kleinste Detail konsequente Geradlinigkeit des Hotels ist vom Bauhaus inspiriert, die Möbel erinnern an dänische Klassiker, die Wasserläufe, die offene Bauweise wie auch die Verbindung der Pavillons über gepflasterte Wege sind traditionell balinesisch.

Die Alila Villas Uluwatu setzen Maßstäbe, nicht nur, was das Design betrifft, sondern auch die Nachhaltigkeit. Die verwendeten Materialen kommen aus der unmittelbaren Umge- bung. Der Lavastein Batu Candi auf den begrünten Dächer wirkt als natürliches Isoliermaterial, Bambus schmückt die Decken, der weiße, plan geschliffene Sandstein betont die moderne Anmutung. 50 Prozent der verbauten Materialien sind recycelt. Die spektakuläre Lounge ist eine filigrane Konstruktion aus ausrangierten Telegraphenmasten.

Wasserläufe dienen als natürliche Klimaanlagen. Wasser fließt neben den Treppen und sorgt für willkommene Kühle, wenn man die Terrassen hoch zu seiner Gästevilla steigt. Bepflanzt ist die weitläufige Anlage ausschließlich mit Arten, die in der Savannenlandschaft Bukits heimisch sind, so dass eine künstliche Bewässerung überflüssig ist. Bestimmte Schilfarten halten die Insekten in Schach. Das Regenwasser wird gesammelt. „Eine einzige Regennacht füllt das Wasserreservoir ausreichend für zehn Tage“, berichtet Sean Brennan, der als Regional Director das Projekt maßgeblich begleitete. Aufbereitetes Brauchwasser speist die Pools, Abfall wird, wo immer es möglich ist, vermieden. Mit diesem Bündel an Maßnahmen hat das Resort als erstes Indonesiens den höchsten Level des EarthCheck-Zertifikats erhalten.

Gut eineinhalb Stunden dauert die Autofahrt zum an der Westküste gelegenen ALILA VILLAS SOORI. Die vom Massentourismus überrannten Strände von Kuta und Seminyak lässt man weit hinter sich. Die kurvenreiche Straße säumen Reisfelder, in denen Entenschwärme eifrig die Schädlinge aus dem Schlamm picken. Man passiert ruhige Ortschaften, deren Häuser sich hinter umlaufenden Mauern verstecken, fährt vorbei an zahlreichen Manufakturen, in denen die Ziegel gebrannt werden, für die die Region bekannt ist. Das ALILA VILLAS SOORI ist so etwas wie die kleine unaufgeregte Schwester des spektakulären ULUWATU.

Grandios ist allerdings die Lage. Ein schwarzer glitzernder, kilometerlanger Sandstrand und eine tosende Brandung, die so heftige Strömungen verursacht, dass es einem die Beine wegzieht. Dem Architekten und Besitzer Chan Soo Khian kam es darauf an, dass sich das Hotel ideal in seine Umgebung einfügt. Die flachen Bungalows ziehen sich auf zwei Ebenen am Strand entlang, sind so begrünt, dass sie fast in der Landschaft verschwinden. Ihr modernes cooles Interior nimmt in acht verschiedenen Grau- und Anthrazittönen das Farbenspiel des Strandes auf. Direkt vom Bett aus kann man sich in den Privatpool fallen lassen. Von der Lounge auf breiten Polstern liegend stundenlang dem Spiel der Wellen zuschauen, die sich bis zu dreieinhalb Metern auftürmen. Ein faszinierendes Schauspiel. Nichts für Schwimmer und selbst für Surfer zu gefährlich, aber traumhaft für Strandläufer, die das wilde Meer und den Strand ganz alleine für sich haben. Treppen werden von hohen Mauern begrenzt, bringen ein vertikales Element der Spannung in die horizontal ausgerichtete Hotelanlage.

Innovativ wie das Design ist auch das Küchenkonzept der beiden Restaurants. Das fängt beim Frühstück an. Es gibt kein Büffet. Von einer täglich wechselnden Frühstückskarte bestellt man alles in kleinen Portionen, so dass man möglichst viele der frisch zubereiteten kleinen Köstlichkeiten probieren kann. Vom klassischen Mini-Egg-Benedict, bis zu spanischen Chorizos mit geröstetem roten Pfeffer oder indonesischen Reis- und Nudelgerichten. Der Neuseeländer Chef Dwayne Warren sorgt dafür, dass abends butterzarte Sirloin-Steaks oder knusprig ausgebackene Garnelen in bester Qualität serviert werden. Die man auf der weitläufigen Restaurantterrasse mit Blick auf die riesigen Feuerschalen und die anrollenden Wellen genießt.

Dass ausgerechnet Bali zur Spielwiese für hypermoderne Architektur geworden ist hat Tradition. Seit 100 Jahren zieht es Künstler, Maler, Kreative auf die acht Grad südlich des Äquators gelegene Trauminsel im Indischen Ozean. Sie haben sich ihre ganz persönlichen tropischen Traumhäuser gebaut, die nie den Einfluss ihrer westlichen Heimat leugneten. „Man kann auf Bali viel ausprobieren“, berichtet der aus den Niederlanden stammende General Manager Marco Groten. Es gibt so gut wie keine Restriktionen, wenige Vorschriften. Das Klima eröffnet fantastische Möglichkeiten und das Bauen ist relativ billig. Marco Grotens Kinder gehen auf eine der zehn internationalen Schulen der Insel. „In ihrer Klasse mit 18 Schülern gibt es neun unterschiedliche Nationalitäten.“ Das sei typisch für Bali: „Alles vermischt sich. Es herrscht ein Easy-going-Lifestyle, der eine unglaubliche Kreativität freisetzt und zulässt.“

Die Dämonen wohnen am Wasser, die Götter in den Bergen, glauben die Balinesen. Am Wohnsitz der Götter also, im balinesischen Hochland, findet sich eine Pionierleistung avantgardistischer Hotelarchitektur, das kurz vor der Jahrtausendwende eröffnete FOUR SEASONS BALI AT SAYAN. Wie ein im Regenwald gelandetes Ufo, das sich der Dschungel langsam zurückerobert, wirkt das bahnbrechende Gebäude heute. Ankommende gehen über eine schnurgerade Teakbrücke, die eine tiefe Schlucht überspannt zu einem Lotusblütenteich, dessen gigantisches Rund, groß wie zwei Tennisplätze, über dem Tal zu schweben scheint. Von dort windet sich eine Treppe hinunter in die nach allen Seiten offene Lobby des Luxushotels. Wie im Cinemascope-Format entfaltet sich ein Panorama von fast unwirklicher Schönheit.

Man schaut in das tiefe gewundene Tal des heiligen Ayung-River, des größten Flusses Balis, auf Palmen, kleine Reisfelder und Gästevillen, die in der üppigen Vegetation versinken. Es ist „the secret of the entrance“, wie der in Singapur geborene Londoner Architekt John Heah sagt, das alle Sinne öffnet. Überall im Resort fließt Wasser, durch den 180 Meter langen Gang des Hauptgebäudes, an den Wänden herab, dort, wo es dem Berg entspringt. Wasser, das den Balinesen heilig ist, weil sie es als Geschenk der Götter betrachten, dem sie eine reinigende Wirkung nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele zusprechen. Kletterpflanzen winden sich an den Kalksteinwänden hoch, dunkelgrünes Moos überwuchert die sorgfältig polierten Steine. Die Wirkung des kongenialen Zusammenspiels von Natur und Architektur ist einzigartig, fängt die Magie Balis, wo es mehr Tempel als Wohnhäuser gibt, perfekt ein.

Gerade abgeschlossen wurde die komplette Renovierung der 18 Suiten und 42 Villen in einem nun sehr traditionellen balinesischen Stil. Mit reicher Ornamentik, dunklen Hölzern und schweren kostbaren Stoffen. Vom Restaurant, genauso wie von den Jacuzzis auf der Spa-Ebene bietet sich der atemberaubende Blick auf den schlammfarbenen wilden Ayung., von dem man sich immer wieder aufs Neue überwältigen lässt. Ein Hotel der Extraklasse muss Emotionen auslösen“, sagt Heah, „Menschen, die in diese Hotels reisen, wollen eine besondere Erfahrung machen, etwas, was über das hinausgeht, was sie sonst erleben.“

Mitten ins Herz

Die Reise nach Ubud ins Landesinnere ist eine Reise ins spirituelle Herz Balis. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ubud ist laut, die Geräuschkulisse liefern die Pulks von Mopeds, die ununterbrochen durch die Straßen knattern. In den Straßen mischt sich der Duft von frisch gebratenen Saté-Spießen mit den Schwaden der Räucherstäbchen, die aus den Geschäften wabern. Neben zahlreichen Galerien haben Yogastudios und Esoterikläden Konjunktur – nicht erst, seit Julia Roberts in „Eat Pray Love“ nach Ubud kam, um ihr Karma aufzubessern und ihre Liebe zu finden. Seit in den 20er Jahren der deutsche Maler Walter Spies, der in Deutschland wenig bekannt ist, von den Balinesen aber geradezu verehrt wird, Ubud für sich entdeckte, ist die lebhafte Stadt Sehnsuchtsort für europäische Künstler und Hippies. Trotz allen Trubels, Ubud besitzt immer noch einen ganz eigenen Reiz, den man wahrnimmt, wenn man abseits der Hauptstraßen durch die kleinen Gassen streift. Sich bei Threads of Life einen edlen handgewebten Schal kauft oder eines der geschmackvollen handgeschnitzten Artefakte. Der Laden auf der Jalan Kajeng ist ein Projekt, das Frauen dazu ermuntert, nach überlieferten Techniken zu fertigen, um diese vorm Vergessen zu bewahren.

Bei Namaste kann man eine Mala, eine hinduistische Gebetskette, erstehen, die genau 108 Perlen haben muss. Beliebter Treffpunkt für Expats ist der Ganesha Bookshop, in dem man neben neuen auch Secondhandbücher erstehen und die gelesenen Schmöker wieder spenden kann. Und ganz nebenbei erfährt, dass Bücherstehlen schlecht fürs Karma sei, wie ein dezentes Schild mahnt. In der Galerie Oman auf der Jalan Raya Sanggingan werden aus alten Fischerbooten Möbel und Skulpturen mit dem morbiden Reiz der abblätternden Farbe. Gaya auf der Jalan Raya Sayan ist Galerie, Restaurant, Lounge, Eis-Café und Keramik-Manufaktur. Das kleine Imperium gehört einem italienischen Paar, das die Keramikkollektion für Giorgio Armani produziert. Hungrig geworden geht man ins rus- tikal-derbe Babi Guling gegenüber dem Königspalast. Dort gibt es nur ein einziges, aber sehr Bali-typisches Gericht: Spanferkel frisch vom Grill. Man sitzt auf Reismatten am Boden, isst von Papptellern und lässt es sich verdammt gut schmecken.

Genug vom lärmenden Treiben? Nur 15 Autominuten vom quirligen Zentrum entfernt, hat die Tirolerin Barbara Haid gemeinsam mit ihrem fran- zösischen Partner vor eineinhalb Jahren zwei Gästevillen, gelegen zwischen Dschungel und Reisfel- dern, eröffnet. Mit ihren BALI JIWA VILLAS hat sie am Rande des Dorfes Kelusa einen Ort der Stille und Einkehr geschaffen, den man, sobald man den offenen Salon, der zwischen den beiden Gästevillen liegt, betritt, am liebsten nicht mehr verlassen würde. Jiwa heißt Seele. Und etwas von der Seele Balis einfangen, war ihr erklärtes Ziel. Die beiden weitläufigen Gästevillen sind im traditionellen Stil erbaut, mit schilfgedeckten Dächern. Eingerichtet sind sie im kolonialen Stil mit Lieblingsstücken, die das Paar auf vielen Reisen sammelte, und Antiquitäten aus Java und Burma. Für modernen Komfort sorgen die fantastischen Bäder mit ihren wie schattige Oasen gestalteten Außenbereichen mit Dusche und einer steinernen Wanne. Die beiden Privat-Pools sind tief und lang genug zum Schwimmen. Für die perfekte Entspannung sorgen Sonnenliegen mit einem Traumblick über Reisfelder und den angrenzenden Dschungel bis zu den Gipfeln des heiligen Mount Batukaru, vor allem aber das balinesische Pärchen De- sak&Nyoman, zuständig für den Service, der Koch Made, der das vielleicht beste Mie Goreng zubereitet und Ketut, der Gärtner, die alle die Gäste aufs Aufmerksamste um- sorgen. Die meisten setzen wirklich keinen Fuß mehr aus dem kleinen Refugium, nachdem sich das schöne handgeschnitzte Tor hinter ihnen schließt.

 

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